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Überarbeitet 2009-08-28

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Presse-Stimmen

Presse-Stimmen

Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1945  (NYMPHENBURGER)

Schriber, Margrit, wurde am
4. 6.1939 in Luzern als Tochter eines Wunderheilers geboren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete sie als Bankangestellte, Werbegrafikerin und Fotomodell, dann schließlich als Schriftstellerin. 1976 erschien ihr erster Roman, Aussicht gerahmt. Sie lebt heute in Zofingen und in der französischen Dordogne. 1977 erhielt sie den Anerkennungspreis der Schwei­zerischen Schillerstiftung, 1987 den Zürcher Buchpreis und 1998 den Aargauer Literaturpreis für das literarische Gesamtwerk und die Ehrengabe der Stadt Zürich.

Schribers erste drei Romane, Aussicht gerahmt (1976), Ausser Saison (1977) und Kartenhaus (1978) beschreiben das Sinn suchende Kreisen jun­ger Frauen um sich selbst und tragen stark auto­biografische Züge. Mit Muschelgarten (1984) beginnt eine neue Schaffensperiode, in der sich Schriber zwar weiter mit der Frage nach Wahrheit oder Lebenslüge auseinander setzt, das Beziehungsgeflecht der Protagonisten aber immer raffinierter gestaltet. In Muschelgarten dringt sie ein in die Existenz einer Frau, die „versteinert“ zusieht, wie das Leben an ihr vorbeizieht. In spröder Klarheit und grosser Dichte entsteht das Bild einer fremd gesteuerten Persönlichkeit, der bewusst fragmentarische Aufbau des Romans folgt dem Inhalt:

Szenen aus Gegenwart und Vergangenheit und ver­schiedenen Schauplätzen lassen durch ihren abrup­ten Wechsel die Zerrissenheit der Frau spürbar werden. Auch Magda, die Hauptperson des 1987 erschienenen Romans Tresorschatten, ist gelähmt von der Leere ihrer eigenen Existenz. Sie ist froh, als sie vom Schalterraum der Bank in den Tresor­raum versetzt wird. In diesem Bunker glaubt sie sich sicher vor Zweifeln und Fragen. Sie geht in der ihr zugedachten Rolle der „still dienenden Frau“ auf - und gleichzeitig daran zugrunde. Im Roman Augen Weiden (1990) fasst Schriber den Kreis der Personen weiter und seziert eine von Lügen, Scheinmoral und "Langeweile bis zum Ersticken« befallene Schweizer Dorfgemeinschaft. Indem sie „Ihndaoben“, den alten Steinesammler, ausrichten, weil er sich eine „Lolita“ hält, glauben sie ihre eigenen Lebensentwürfe zu legitimieren. Ein Irrtum, den Schriber auf subtile, intelligent - humorvolle Weise aufdeckt. Von meisterhafter sprachlicher Dichte und inhaltlicher Vielschichtigkeit ist der Roman Rauchrichter (1993), in dem das Leben einer Familie über einen Zeitraum von etwa 50 Jahren beschrieben wird. Wie ferngesteuert bewegen sich die vier Hauptpersonen ihrem  Unglück entgegen: Trotz des Wohlstands, den sie sich nach dem Krieg mit einem Hutgeschäft erwirtschaftet haben, sind sie am Ende einsam und enttäuscht. Verblichener Glanz und eine Zauberberg-Atmosphäre beherrschen den Roman Schneefessel (1993), in dem die Autorin jedoch allzu stark in Abstraktionen verfällt.

Meist spielen Schribers Geschichten in kleinen, unbekannten Dörfern, Schauplatz ist immer die Schweiz. Ihre (Anti-) Helden sind einsame, graue Mäuse und so damit beschäftigt, den Schein eines erfüllten Lebens zu wahren, dass sie nie wirkliche Erfüllung erlangen. Schriber verfügt, darin vergleichbar der amerikanischen Autorin McCullers, über das Talent, Träume und Sehnsüchte aufzuspüren. Mit beklemmender Genauigkeit beschreibt sie Menschen auf Identitätssuche, hält jedoch gleichzeitig Distanz zu ihren Figuren. Ihr sprachliches Vermögen zeigt sich in der Kunst, mit einem Halbsatz das Wesen der Dinge offen zu legen,. und steht dabei einem geistesverwandten Autor wie Blaise Cendrars um nichts nach. Ihre Texte will sie als Plädoyer für ein eigenständiges, unschematisches Denken verstanden wissen. Die „Dichterin der Einsamen“ zählt nicht zuletzt deshalb zu den grossen zeitgenössischen Schweizer Autorinnen.

(Monika von Aufschnaiter)

Schweizer-Literatur im Ueberblick
Klara Obermüller
„Die Welt“ 10. 1998

Margrit Schriber muß den nadelgroßen Punkt auf der Weltkarte nicht verlassen, um das Leben zu finden. "Ich begegne ihm hier. Oder ich begegne ihm nirgendwo." Die Kleinheit der Region zwingt zur Selbstbehauptung - gegen das gleichsprachige Ausland, gegen das anderssprachige Inland. Und daraus entspringt erstaunlich oft eine bewundernswert welthaltige - und ortsgesättigte Literatur.

***

Presse-Stimmen

Rauchrichter

"Margrit Schriber ist eine der bemerkenswertesten Wortschöpferinnen der Schweiz."

(Süddeutsche Zeitung)

Tresorschatten

"Höchst eindrucksvoll, wie scheinbar nichts geschieht und alles sich verändert."

(Neue Zürcher Zeitung)

Aussicht gerahmt

"Die Härte, womit hier eine schriftstellerische Position bezogen und durchgestanden wird, schließt Biederkeit aus. Wie das Bild, das die Position durch das ganze Buch erläutert: die Autorin, am Fenster, mit ihrer Schreibmaschine, wie auf der Lauer, gleichsam zum Aufzeichnen verdammt, verfolgt von der ,Idee, ein Ereignis zu verpassen, sobald ich den Scheiben den Rücken zukehren. Am Ende die Frage, ob sie die Welt mit einer Schreibmaschine verwechsle. Mit der dreißigjährigen Luzernerin, die bisher nur einige Kurzgeschichten in Tageszeitungen publiziert hat, wächst eine Autorin heran, die bald zu den wichtigsten der neuen Schweizer Literatur gehören wird."

(Heinz F. Schafroth,
Frankfurter Rundschau)

Augenweiden

"Das Spiel mit der Sprache steht im Vordergrund, der Raum der Phantasie im Mittelpunkt. Das Resultat ist nicht Abgehobenheit, sondern eine subtile Annäherung an die Realität. ...Wie oft trifft man schon auf ein Buch, das so vielschichtig ist, schön und ruhig in der Sprache und das man nach dem  Weglegen nicht vergisst."

«Ein wichtiger Roman. Er beschreibt eine Art zu leben, die wohl typisch ist für ein Land, das aus dem Stuhl der Neutralität heraus zusieht, wie das Weltgeschehen an ihm vorüberzieht.» 

(Theo Byland)

Muschelgarten

«Eine Geschichte, die herunterbrennt wie eine Kerze. ..Das ist Schreibkunst, die über den üblichen Realismus hinauszielt. Und Spannung, die auf einallmähliches Ende von etwas zusteuert, obwohl Ordnungsgemäss alles weitergeht.»

(Die Zeit)

Von Zeit zu Zeit klingelt ein Fisch

Margrit Schriber ist schon immer eine raffinierte Erzählerin und genaue Beobachterin menschlicher Unzulänglichkeiten gewesen. Doch nun scheint es, als habe sie sich in ihrem neuen Band aus den Umklammerungen des Alltags gelöst und mit leichter Hand eine Tür geöffnet, die zu einer Welt führt, die hinter dem Offensichtlichen liegt. Die Wirkung ist befreiend und beklemmend zugleich."

(Frankfurter Allgemeine Zeitung 27.10.2001)

Die Kunst – ein grosses Trompe l‘oiel

„Von Zeit zu Zeit klingelt ein Fisch“: Der Titel verspricht Surreales, Skurriles, Absurdes, und er verspricht nicht zu viel. Die vorliegenden Erzählungen entfalten sich, wie mir scheint, freier und leichter als die Romane. Natürlich schreibt da nicht einfach eine andere, eine neue Autorin. Noch immer ist Margrit Schriber auf Figuren eingeschworen, die am Rande, am alleräussersten Rand nicht nur der Gesellschaft, sondern des Lebens stehen, die einsam bleiben, auch wenn sie, versteckte Voyeure, die anderen unablässig beobachten. Noch immer weiss sie ihre Sätze, die Bilder und Pointen, präzis und verblüffend zu setzen... Die Texte sind lockerer geworden. Spielerisches darf sich darin bemerkbar machen. Anspruchslos, gar harmlos sind sie deswegen nicht.

(DREHPUNKT Elsbeth Pulver )

Kriegsschiff im Salon

In ihrem neuesten Erzählband legt Margrit Schriber mit dem Skalpell der Sprache Abgründe frei. Fern einer modischen Coolness bewegen sich diese Texte zwischen Betroffenheitsprosa und Frank Kafka. Mit dem schlichten, treffsicheren Skalpell ihrer Sprache ortet Margrit Schriber noch die kleinsten Spuren des Lebens ihrer Figuren – eines Lebens, das sich in die entlegensten Winkel des Bewusstseins verkrümelt hat.

(BASLER ZEITUNG Bernhard Ott)

Das Lachen der Hexe

"In konsequenter Aussenschau, ohne jede anbiedernde Empathie, zeichnet Margrit Schriber mit ihrem Roman den unaufhaltsamen Niedergang einer lebensvollen, glückshungrigen Frau - und zwar derart dicht, dass man ganz ins Geschehen hineingezogen wird.  Ihre Sprache zeugt von grosser Disziplin, kommt schlackenlos daher, hart und kristallin manchmal, aber immer wieder auch mit Glanz und innerer Wärme. Ein Glücksfall ist zudem die Einbindung des Muotataler Dialekts mit seinen unverwechselbaren Klängen, die jedem musikalischen Menschen phonetischen Lustgewinn bescheren. Dann aber glaubt dieser tatsächlich das Lachen Anna Marias zu hören."

(NZZ
Beatrice Eichmann-Leutenegger)

Beklemmend plausibel erzählt "Das Lachen der Hexe" die Geschichte einer dörflichen Ausgrenzungs- und Denunziationskampagne. ..Mit kraftvollen, kurzen Sätzen treibt Margrit Schriber das Geschehen voran. Wie beiläufig skizziert die sinnliche, mit mundartlichen Ausdrücken versetzte Sprache das Panorama einer frühneuzeitlichen Lebenswelt. Der ländliche Hexenglaube erscheint als alltagsnahes Deutungsmustern, in welchem reale Existenzängste und irreale Welterklärungen auf verhängnisvolle Weise zusammenspielen.

(TAGESANZEIGER Monika Burri)

Wie ist es zu erklären, dass eines der nervigsten, überzeugendsten, geglücktesten Bücher der Saison bisher praktisch unbeachtet blieb? Ist es der Titel, "Das Lachen der Hexe", der etwas Historisches oder Feministisches oder Problematisches oder alles zusammen evoziert und dem Trend des bloss Unterhaltsam-Spannenden zuwiderläuft? Oder ist es die Autorin, Debüt vor genau 30 Jahren mit "Aussicht gerahmt", die man längst zu kennen glaubt und von der niemand mehr erwartet, dass sie den viel gehätschelten Newcomern und Debütantinnen den Schneid abkauft? Wer bereit ist, "Das Lachen der Hexe" ganz für sich und unvoreingenommen zu lesen - ohne Seitenblicke auf das Vorleben der Autorin, so, als hätte sie damit erst debütiert -, wird jedenfalls eine wunderbare Überraschung erleben.

DER BUND (Charles Linsmayer)

Das Hexen-Werk: Der Schweizer Autorin Margrit Schriber ist ein ganz besonderer Roman über Neid und Unschuld gelungen

BRIGITTE (Angela Wittmann)

Da gibt es keine Langsamkeiten und Weitschweifigkeiten, keine Landei-idyllen und keine Präindustrialisierungs-Seligkeiten.

(FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG Alexandra Kedves)

Die falsche Herrin

…Wie schon in Margrit Schribers Vorgängerroman „Das Lachen der Hexe“ (2006) rückt eine einfache Person aus dem Volk ins Blickfeld, die aber alle Attribute eines verführerischen weiblichen Wesens aufweist, sich nicht unterordnen will und zäh und schlau ihr Leben anpackt. Die Autorin arrangiert den Stoff fast wie ein Bühnengeschehen. Die reich facettierte Ausgestaltung zum historischen Roman allerdings ist das Ergebnis eines erstaunlichen Vorstellungsvermögens, hat doch die Autorin  in den Protokoll-Unterlagen des Kantonsarchivs Schwyz nur wenige Sätze zu diesem Gerichtsfall vorgefunden. Lebhaft präsentiert sie den Schwyzer Patriziersitz, wo die Diplomaten ein und aus gehen; anschaulich schildert sie die lebensgefährlichen Fluchtwege der jungen Frau übers Gebirge. Gleichwohl erzählt sie gerafft, fast novellistisch verkürzt. Margrit Schriber beherrscht die grossen Linien wie die kleinen Finessen. Die sorgfältige Sprache dieses schmalen, aber dichten Romans stellt eine Mixtur aus verschiedenen Idiomen dar. …Und man taucht vollends in eine entschwundene Geschichte aus dem Ancien Régime ein, einer harten alten Zeit, die unter der Hand der Autorin wieder zu prallem Leben erwacht.

(NZZ: Beatrice Eichmann)

... Sie macht wiederum unter minutiös genauer Zeichnung von Ambiente und Atmosphäre, aus der Liebesgeschichte einer Wäscherin und eines vagierenden Studiosus etwas vom Berührendsten und Spannendsten, was man in letzter Zeit lesen konnte. Margrit Schriber hat den Roman wie ein Bühnenstück komponiert, das mit wechselnden Schauplätzen arbeitet. Da steht kein Wort zu viel, da ist keine unnötige Wendung zu finden, folgt Satz auf Satz wie die Prägungen einer kostbaren literarischen Münzsorte. Dabei leuchtet die Zeit, die evoziert wird, ebenso anschaulich aus den Salons und Gartenanlagen der Reichen wie aus den armseligen Behausungen der Armen heraus, erscheint das Gefälle zwischen adlig und unbedeutend, reich und ausgenützt plastisch herausgearbeitet und ist alles wundervoll mit Bildern und Leitmotiven durchgestaltet und verdichtet.

(Der Bund: Charles Linsmayer)

…Margrit Schriber zeichnet das stimmige Bild einer Frau, die sich mit ihrem Geschick nicht abfinden, die ihre Talente entfalten will. ..Das Erzählte wird relativiert, und das kontrastierende Gegenbild schärft die Kontur dieses lebensvollen Porträts einer wie heutig Selbstbewussten.

(LNN: Urs Bugmann)

„Auf einem aktenkundigen Fall basiert Schribers Roman, der mit einer ungewöhnlichen Struktur überzeugt. Die Schweizerin schildert das Geschehen in einer konstruktiven Mixtur aus konjunktivisch gehaltener Befragung von Anna verurteilenden Augenzeugen, träumerischen Luftschlössern der ihr zugeneigten Waschfrauen, die mit Anna gearbeitet hatten, und beobachtender Begleitung der Protagonistin. Rückblenden und historische Erzählzeit fliessen kunstvoll ineinander. Das Konstrukt zu durchschauen ist nicht ganz einfach; bei der Orientierung helfen Absätze zwischen den Erzählelementen. Die kühle, schnörkellose Sprache passt zu der unaufgeregt erzählten Geschichte mit den distanziert gezeichneten – rein fiktiven – Charakteren, in die Margrit Schriber keine überflüssige Emotion und Geste hineingelesen hat, dem überraschenden Ende. Die starke Geschichte einer starken Frau.

(Main-Echo: Susanne Von Mach)

„Mit präzisem, zu hoher Meisterschaft entwickeltem Kunstverstand führt sie vor, wie menschliche Regung, in diesem Fall verknüpft mit der List eigentlich alltäglicher Nachahmungsspiele, unsere durch Ordnung und Recht scheinbar gesicherte Gesellschaft aus den Fugen schmeisst. Margrit Schriber zeigt durch kluge stilistische und erzähltechnische Details und in raffinierter Perspektivenführung, wie falsch und unehrlich das Leben der grossen Welt ist, letztlich wertlos gegenüber genuin menschlichen Regungen.

(Bote der Urschweiz: Daniel Annen)

„Schriber bewundert die Anna Maria Inderbitzin als erste moderne Frau, die es gewagt habe, am Anfang der Aufklärung etwas Unterhörtes zu wagen, auszubrechen aus ihrem Stand, um ein besseres Leben zu führen. „Sie machte den Schritt über den Bottich in ein neues Zeitalter der Selbstbestimmung.“ …Sie wollte sich nicht unterjochen lassen vom Gedankengut und den Regeln der Gesellschaft zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als Männer und Frauen aus dem einfachen Volk dem Verhungern vielleicht nur durch Schwindeln und Stehlen entgingen.“

(Zofinger Tagblatt 8.3.08:
Adelheid Aregger)