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Welches Buch lesen Sie gerade?
Nachdem ich alle Bücher von Alessandro
Baricco schätze, freue ich mich nun aufs Lesen des neuen Romans mit dem
Titel: „Diese Geschichte“. Diese Bücher überraschen mich, weil sie die
Schnittstellen der Zeit aufheben. Und ich lesend in anderen Epochen
flanieren kann ohne mich darin als Fremde zu fühlen.
Was ist Ihre liebste Romanfigur und was
verkörpert sie für Sie?
Ich habe nur liebste Romanfiguren.
Mein Respekt gehört der „Kastenvögtin“ aus
dem Roman „Das Lachen der Hexe“. Sie war stark, erdverhaftet, weitsichtig,
klug und lebensfroh. Sie hat ausgeharrt in einem Tal, das sie jahrzehntelang
verspottet und dann der Gerichtsbarkeit als Hexe ausgeliefert hat.
Meine Liebe gehört der „Bitzenin“ aus dem
Roman „Die falsche Herrin“. Die kleine Wäscherin war voll Grazie,
zielstrebig, todesmutig, intelligent und begabt. Nach den Schlägen richtete
sie sich auf und lenkte ihre Schritte in die Richtung der Sonne in einen
besseren Stand hinein. Und das ist das Unerhörte: Dass eine Niedere ihr
Leben in die Hand nimmt. Sie macht den ersten Schritt in die neue Zeit
hinein. Die kleine Wäscherin stieg über den Rand ihres Bottichs geradewegs
in die Aufklärung. Sie ist die erste moderne Frau.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie
aus? Womit verbringen Sie gerne Ihre Zeit?
Das Wetter ist strahlend. Verpflichtungen
sind überblickbar. Und mir bleibt Zeit für Gartenarbeit im Park und die
Lektüre eines Buchs.
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Was ist Ihr nächstes Reiseziel?
Die Dordogne, wo wir ein Anwesen besitzen
und einen Teil des Jahres verbringen.
Wie würden Sie sich mit drei Worten
beschreiben?
Beobachtend, begeisterungsfähig,
ungeduldig.
Was würden Sie in der Welt verändern,
wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Die Brutalität, Ungerechtigkeit,
Lieblosigkeit gegenüber allen Geschöpfen.
Ihr schlimmster Albtraum?
Den Faden verlieren, während ich perfekt
sein möchte.
Was macht den Reiz beim Schreiben aus?
Was möchten Sie Ihren Lesern mitgeben?
Mein Alltag erfährt eine Verzweigung in
die Unendlichkeit. Ich vergesse wie kurz und belanglos ein Menschenleben
ist. Ich kann tausend Personen sein und an immer anderen Orten und in
anderen Zeitebenen auftauchen. Ich erlebe Abenteuer um Abenteuer.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues
Buch beginnen und dafür recherchieren?
Ich muss vom Thema gefangen sein. Ich
orientiere mich in der Zeit. Geschichtsbücher helfen, aber auch das
Internet. Ich sammle verschiedenartige Stoffe, die ich dann zum Gewebe
verdichte. Wichtig sind spontane Einfälle. Die Personen werden immer
deutlicher. Am Ende beginne ich mit ihnen zu leben. Verbringe 12 bis 14
Stunden in ihrer Gesellschaft. Denke nachts an sie. Höre ihr Gelächter, ihr
Weinen, ihr Vorüberrauschen. |
Worüber können Sie sich so richtig
freuen?
Über einen witzigen Einfall. Ich bin
dann atemlos vor Begeisterung. Treibe meine Figur zum Tanz mit diesem
Einfall.
Welcher Autor hat Sie massgeblich
beeinflusst?
Bei jedem Buch gibt es andere Autoren,
die wichtig sind. Claude Simon zählt mir viel, Camus, Cendrars, Duras
sind nur einige.
Sind historische Romane geeignet
Bildung zu vermitteln? Haben Autoren hier eine besondere Verantwortung?
Ich kann von mir sprechen. Es
fasziniert mich, eine Falte der Zeit auseinander zu streichen, an die
ich keine Erinnerung habe. Und diese dann mit Menschen zu besiedeln,
deren Charakter und Leidenschaft ich aus meiner Zeit kenne. Die so gar
nicht anders sind. In keiner Zeit. Durch den Vergleich der damaligen und
heutigen Lebensbedingungen mache ich mir das Fortschreiten der Zeit
bewusst.
Welche historische Person würden
Sie gerne einmal persönlich treffen?
Die „Kastenvögtin“ aus dem Muotathal,
die im Jahr 1754 im Turm von Schwyz zu Tode kam. Ich möchte die „Kleinen
Leute“ treffen, die kaum je in einem Geschichtsbuch erwähnt worden sind.
Haben Sie schon ein neues Projekt?
Können Sie uns ein bisschen darüber erzählen?
Ich tändle und suche noch.
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Danke für Ihre
Antworten! |