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Überarbeitet 2009-08-28

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Neu aufgelegt: DAS KARTENHAUS  (Roman)

am 26. Nov. 2008

Neu erschienen: DIE HÄSSLICHSTE FRAU DER WELT  (Roman)

am 17. Aug.2009

Interview

mit

Margrit Schriber:

 

Der
historische-romane.de
Fragebogen

  Copyright by Yvonne Böhler

Welches Buch lesen Sie gerade?

Nachdem ich alle Bücher von Alessandro Baricco schätze, freue ich mich nun aufs Lesen des neuen Romans mit dem Titel: „Diese Geschichte“. Diese Bücher überraschen mich, weil sie die Schnittstellen der Zeit aufheben. Und ich lesend in anderen Epochen flanieren kann ohne mich darin als Fremde zu fühlen. 

Was ist Ihre liebste Romanfigur und was verkörpert sie für Sie?

Ich habe nur liebste Romanfiguren.

Mein Respekt gehört der „Kastenvögtin“ aus dem Roman „Das Lachen der Hexe“. Sie war stark, erdverhaftet, weitsichtig, klug und lebensfroh. Sie hat ausgeharrt in einem Tal, das sie jahrzehntelang verspottet und dann der Gerichtsbarkeit als Hexe ausgeliefert hat.

Meine Liebe gehört der „Bitzenin“ aus dem Roman „Die falsche Herrin“. Die kleine Wäscherin war voll Grazie, zielstrebig, todesmutig, intelligent und begabt. Nach den Schlägen richtete sie sich auf und lenkte ihre Schritte in die Richtung der Sonne in einen besseren Stand hinein. Und das ist das Unerhörte: Dass eine Niedere ihr Leben in die Hand nimmt. Sie macht den ersten Schritt in die neue Zeit  hinein. Die kleine Wäscherin stieg über den Rand ihres Bottichs geradewegs in die Aufklärung. Sie ist die erste moderne Frau.

Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus? Womit verbringen Sie gerne Ihre Zeit?

Das Wetter ist strahlend. Verpflichtungen sind überblickbar. Und mir bleibt Zeit für Gartenarbeit im Park und die Lektüre eines Buchs.

Was ist Ihr nächstes Reiseziel?

Die Dordogne, wo wir ein Anwesen besitzen und einen Teil des Jahres verbringen.

Wie würden Sie sich mit drei Worten beschreiben?

Beobachtend, begeisterungsfähig, ungeduldig.

Was würden Sie in der Welt verändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?

Die Brutalität, Ungerechtigkeit, Lieblosigkeit gegenüber allen Geschöpfen.

Ihr schlimmster Albtraum?

Den Faden verlieren, während ich perfekt sein möchte.

Was macht den Reiz beim Schreiben aus? Was möchten Sie Ihren Lesern mitgeben?

Mein Alltag erfährt eine Verzweigung in die Unendlichkeit. Ich vergesse wie kurz und belanglos ein Menschenleben ist. Ich kann tausend Personen sein und an immer anderen Orten und in anderen Zeitebenen auftauchen. Ich erlebe Abenteuer um Abenteuer.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Buch beginnen und dafür recherchieren?

Ich muss vom Thema gefangen sein. Ich orientiere mich in der Zeit. Geschichtsbücher helfen, aber auch das Internet. Ich sammle verschiedenartige Stoffe, die ich dann zum Gewebe verdichte. Wichtig sind spontane Einfälle. Die Personen werden immer deutlicher. Am Ende beginne ich mit ihnen zu leben. Verbringe 12 bis 14 Stunden in ihrer Gesellschaft. Denke nachts an sie. Höre ihr Gelächter, ihr Weinen, ihr Vorüberrauschen.

Worüber können Sie sich so richtig freuen?

Über einen witzigen Einfall. Ich bin dann atemlos vor Begeisterung. Treibe meine Figur zum Tanz mit diesem Einfall.

Welcher Autor hat Sie massgeblich beeinflusst?

Bei jedem Buch gibt es andere Autoren, die wichtig sind. Claude Simon zählt mir viel, Camus, Cendrars, Duras sind nur einige.

Sind historische Romane geeignet Bildung zu vermitteln? Haben Autoren hier eine besondere Verantwortung?

Ich kann von mir sprechen. Es fasziniert mich, eine Falte der Zeit auseinander zu streichen, an die ich keine Erinnerung habe. Und diese dann mit Menschen zu besiedeln, deren Charakter und Leidenschaft ich aus meiner Zeit kenne. Die so gar nicht anders sind. In keiner Zeit. Durch den Vergleich der damaligen und heutigen Lebensbedingungen mache ich mir das Fortschreiten der Zeit bewusst.

Welche historische Person würden Sie gerne einmal persönlich treffen?

Die „Kastenvögtin“ aus dem Muotathal, die im Jahr 1754 im Turm von Schwyz zu Tode kam. Ich möchte die „Kleinen Leute“ treffen, die kaum je in einem Geschichtsbuch erwähnt worden sind.

Haben Sie schon ein neues Projekt? Können Sie uns ein bisschen darüber erzählen?

Ich tändle und suche noch.

***

Danke für Ihre Antworten!